FAZ Kommentar gegen Bundesarbeitsdienst

Ein Kommentar in der FAZ bringt eine dringend benötigte Gegenstimme zur gegenwärtigen Stimmungmache für einen Bundesarbeitsdienst. Dabei werden  auch Aspekte diskutiert die normalerweise unter den Tisch fallen:

Alle Erfahrung spricht dafür, dass Freiwilligkeit eine zentrale Voraussetzung für Motivation und Engagement darstellt, Zwang dagegen das Engagement dämpft oder erstickt. Es hat Gründe gegeben, warum die Sklaverei sich auf Dauer in der Geschichte nicht durchgesetzt hat.

Ökonomisch korrekt aber humanistisch unvollständig ist allerdings die Diskussion der Dienstpflicht als Naturalsteuer. Wenn die Dienstpflicht nicht mehr ist als eine Naturalsteuer, dann ist Mord nicht mehr als Raub des Lebenseinkommens.

Von dieser Detailkritik abgesehen, ein gelungener Kommentar, in Gänze lesenswert.

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FDP Allein für die Freiheit

In der Aktuellen Wehrpflichtdebatte, steht allein die FDP für individuelle Freiheit: die FAZ zitiert Lindner wie folgt:

„Der Staat des Grundgesetzes ist kein Volkserzieher. Der Staat dient den Menschen und nicht andersherum. Freiheitseingriffe müssen gerechtfertigt sein“, sagte FDP-Chef Christian Lindner am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Wenn es keine äußere Bedrohung der Sicherheit gibt, ist die Verstaatlichung eines Jahres Lebenszeit nicht zu rechtfertigen.“

Marco Buschmann (auch FDP) geht weiter:

„Die Arbeitskraft Hunderttausender junger Menschen soll enteignet werden, um die Kosten der unbezahlbaren Rentenpolitik der großen Koalition zu dämpfen“, erklärte er. „Zugleich soll mit der Option der Wehrpflicht vom unfassbaren Versagen bei Ausrüstung und Beschaffung der Bundeswehr abgelenkt werden.“

Die Junge Union hingegen sagt:

„Ein Gesellschaftsjahr gibt die Möglichkeit, etwas zurückzugeben und gleichzeitig den Zusammenhalt im Land zu stärken.“

Das ist formal richtig. Die Mauer gab DDR Bürgern die Möglichkeit im Inland zu verweilen; bei der Möglichkeit blieb es nicht.

Licht am Ende des Tunnels

CDU und CSU haben sich nun offiziell parteienintern auf eine Aussetzung der Wehrpflicht geeinigt. Nach Einschätzung der Süddeutschen ist damit „… so gut wie sicher, dass künftig erstmals seit 53 Jahren keine jungen Männer mehr zur Bundeswehr eingezogen werden.“ (Quelle) Selbst in Österreich wächst inzwischen der Druck auf die Wehrpflicht. Damit hätte sich dann auch der Daseinsgrund dieses Blogs erledigt. Nach über 10 Jahren virtuellen schwadronierens geht Zwanglos damit in den lang ersehnten Ruhestand.

Wehrpflicht und Bildung

Spiegel Online sieht die Universitäten wegen der kommenden Aussetzung der Wehrpflicht unter Druck. Ein Übergang von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft bringt nun einmal Anpassungskosten mit sich. Dabei ist es natürlich nicht Aufgabe der Landesverteidigung Hochschulen vor Studenteninvasionen zu schützen. Ein Leserbrief in SPON bringt es auf den Punkt:

Es ist zumindest schön, dass jetzt mal zugegeben wird, was die Wehrpflicht eigentlich ist: Ein Parkplatz für junge Männer, für die man weder Lehrstellen noch Plätze an den Unis hat. Also nix mit: „Verankerung des soldatischen Bewusstseins im Volkskörper“, „Armee als Schule der Nation“ und all dem blöden Geschwafel, mit dem man die Wehrpflicht bislang zu rechtfertigen suchte.“ (Quelle)

Für die, die jetzt keinen Platz an einer Präsenzuni bekommen gibt es allerdings Alternativen. Jura, Psychologie und BWL kann man auch hier studieren. Mit guten Englischkenntnissen geht es auch hier.

Konsequent Überflüssig

Laut ARD will „SPD-Wehrexperte“ Bartels die Musterung auch nach Aussetzung der Wehrpflicht beibehalten. Das ist in gewisser Weise konsequent: zur zeit ist die Musterung ein Auswahlverfahren für einen überflüssigen Zwangsdienst. Wenn man schon über Jahre eine aufwendige Institution erhält, obwohl sie offensichtlich nicht gebraucht wird, dann gibt es logischerweise auch keinen Grund sich ihrer überflüssigen Begleiterscheinungen zu entledigen nur weil der Ursprungsunsinn entfällt.