Ein Bißchen weniger Wehrpflicht schon zu wenig?

Der Jüngste Vorschlag aus der SPD, die Wehrpflicht auszusetzen, so lange sich genügend Freiwillige, melden trifft auf Widerspruch im Parlament und auf Zustimmung beim Volk.

Die Netzzeitung berichtet das der Vorschlag zur bedingten Aussetzung der Wehrpflicht auf von einer breiten Wählerbasis unterstützt wird. Widerspruch gibt es dagegen vom Wehrbeauftragten des Bundestages Robbe: die Umstellung auf eine Freiwilligenarmee sei teuer, und für die verbleibenden Soldaten belastend.

Die Annahme, daß der SPD Vorschlag praktisch zur Aussetzung der Wehrpflicht führt, ist natürlich optimistisch, dennoch sprechen die Reaktionen für sich. Das die Abschaffung der Planwirtschaft im Wehrbereich teuer sei mag aus betriebswirtschaftlicher Sicht für die Bundeswehr zutreffen. Volkswirtschaftlich könnte das durchaus anders aussehen. Außerdem ist diese betriebswirtschaftliche Überlegung kein Grund zur Beibehaltung der Wehrpflicht: die Abschaffung des Sklavenhandels dürfte für einige Plantagenbesitzer auch sehr teuer gewesen sein. Eine moralische Rechtfertigung der Sklaverei ergab sich daraus nicht.

Ähnlich verhält es sich mit den Umstellungsbelastungen für die Soldaten. Was der Wehrbeauftragte hier von sich gibt sind die Ansichten eines Lobbyisten, der die internen Interessen einer Organisation –hier des Militärs- vertritt. Was für die Gesellschaft wichtig ist, ist allein die Frage wie die ‚Dienstleistung Verteidigung’ wirtschaftlich effizient und moralisch vertretbar produziert werden kann. Die Wehrpflicht versagt nach beiden Kriterien.

Robbe schiebt dann noch eine besonders interessante Begründung nach, vermutlich um zu zeigen, daß er über die Interessen der Bundeswehr hinausdenkt: „Millionen von Männern haben Wehrdienst geleistet. Ich finde, der Wehrdienst ist der Kitt des gesellschaftlichen Solidarsystems.“ Was damit gesagt, aber nicht klar ausgedrückt wird ist ganz einfach folgendes: Dressur beim Militär ist unabdingbar wenn sich individuelle Bürger dem Kollektiv bereitwillig unterordnen sollen.

In Deutschland haben wir viel Erfahrung mit politischen Systemen, die auf dieser Maxime beruhen, und diese Erfahrungen waren um so schlechter, je mehr sich der Staat an diesem kollektivistischen Leitmotiv orientiert hat.

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