Simon Duindam: “Military Conscription”

Ein Standardwerk in der ökonomischen Analyse der Wehrpflicht ist Simon Duindams Buch “Military Conscription – An Economic Analysis of the Labour Component in the Armed Forces”. Dieses Buch bezieht sich auf die Niederlande in der Zeit vor der Aussetzung der Wehrpflicht, und Beschäftigt sich eingehend mit arbeitsmarktspezifischen Aspekten. An der konkreten Anwendung auf die niederländische Wehrpflicht dürfte mittlerweile kaum noch Interesse bestehen. Langfristig relevant ist allerdings die Methodik, sowie die allgemeinen Betrachtungen zur Wehrpflicht.

Duindam weist zurecht darauf hin, das die Streitkräfte ökonomisch gesehen ein Dienstleistungssektor sind, der Kampfkraft produziert. Vor diesem Hintergrund werden die Effizienz- und Wohlstandsverluste durch die ineffiziente Nutzung des Produktionsfaktors Arbeit allgemein analysiert, und durch empirische Schätzungen der anfallenden Opportunitätskosten ergänzt.

Jenseits eng gefasster wirtschaftlicher Überlegungen wird dargelegt, daß die Tendenz zur detaillierteren arbeitsteiligen Differenzierung der Streitkräfte neue Möglichkeiten zur sozialen Integration eröffnet. Es sollte im verstärkten Maße möglich sein, Zivilisten und zivile Partnerorganisationen in Positionen einzubinden, die keine unmittelbare Kampfbeteiligung verlangen.

Darüber hinaus wird direkt aufgezeigt, daß Wehrpflichtige wenig zur Kontrolle der militärischen Führung geeignet sind. Zu Beginn des Buches wird außerdem darauf hingewiesen, wie eng die Diskussion der Wehrpflicht mit der Wahrnehmung des Verhältnisses des Individuums zum Staat verbunden ist, wobei Duindam sich ausdrücklich von einem autoritären, ‚organischen’ Staatverständnis distanziert.

Simon Duindam “Military Conscription – An Economic Analysis of the Labour Component in the Armed Forces” Physica Verlag, Heidelberg, New York, 1999

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1 Kommentar »

  1. DDH said

    Eine schöne Textstelle gegen die Wehrpflicht fand ich auch bei Murray Rothbard:

    „Zum Beispiel kann es keinen offenkundigeren Fall von Zwangsdiensten geben als unser System der Wehrpflicht. Jeder Jugendliche wird zur Registrierung für ein selektives Dienstsystem gezwungen, wenn er 18 Jahre alt wird. Er ist gezwungen, seine Einberufungskarte ständig bei sich zu tragen und immer, wenn die Bundesregierung es für passend hält, wird er von den Behörden eingezogen und in die bewaffneten Kräfte geschickt. Hier sind sein Körper und sein Willen nicht länger sein, er ist Empfänger von Befehlen des Staates. Er kann gezwungen werden zu töten und sein eigenes Leben aufs Spiel zu setzen, wenn die Behörden es befehlen. Was soll ein Zwangsdienst sein wenn nicht die Einberufung?
    Der Nutzenaspekt beherrscht das Argument für das Wehrpflichtsystem. Der Staat benutzt so folgendes Argument: Wer wird von uns gegen ausländische Angriffe verteidigen, wenn wir nicht Zwang benutzen und unsere Verteidiger einziehen? Es gibt verschiedenes, was der Liberale hier erwidern könnte. Zunächst einmal: Wenn Sie und ich und unser nächster Nachbar denken, dass wir Verteidigung brauchen, haben wir trotzdem kein moralisches Recht, Zwang auszuüben, etwa mit dem Bajonett oder dem Revolver, um jemand anderen zu zwingen, uns zu verteidigen. Die Wehrpflicht ist genauso ein nicht zu rechtfertigender Eingriff, eine Entführung oder sogar ein Mord, wie der angenommene Angriff, gegen den wir uns ursprünglich verteidigen wollen.
    Wenn hinzugefügt wird, dass die Eingezogenen ihre Körper und ihr Leben, wenn notwendig, der Gesellschaft übereignen, dann müssen wir die Gegenfrage stellen: Wer ist diese “Gesellschaft“, wer ist dieses “Land“, die als Vorwand benutzt werden, um Sklaverei zu rechtfertigen? Es sind einfach alle Individuen in einem Gebiet außer den eingezogenen Jugendlichen. “Gesellschaft“ und “Land“ sind in diesem Fall mythische Abstraktionen, die benutzt werden, um den nackten Gebrauch von Gewalt im Dienst der Interessen von bestimmten Individuen zu bemänteln.
    Zweitens, um auf die Nutzenebene zu kommen: Warum wird es als notwendig angesehen, Verteidiger einzuziehen? Niemand wird auf dem freien Markt eingezogen, dagegen können die Menschen auf diesem Markt alle denkbaren Waren und Dienstleistungen durch freiwilligen Tausch und Verkauf erhalten, sogar die allernotwendigsten. Auf dem Markt können Menschen Nahrung, Unterkunft, Bekleidung, medizinische Hilfe usw. bekommen. Warum können sie keine Verteidiger anheuern? Tatsächlich gibt es viele Menschen, die tagtäglich für gefährliche Dienste eingestellt werden: Feuerwehrleute, Ranger, Testpiloten und … Polizisten sowie private Wächter und Wachmänner. Warum können Soldaten nicht auch so eingestellt werden?
    Andersherum betrachtet, beschäftigt der Staat viele Tausende Menschen für alle Arten von Dienstleistungen, von Lkw-Fahrern bis hin zu Wissenschaftlern und Schreibkräften. Wie kommt es, dass keiner von diesen Menschen eingezogen werden muß? Warum gibt es keinen Mangel bei diesen Berufen, der den Staat zwingen würde, Zwang auszuüben, um diese Stelle zu besetzen? Einen Schritt weitergedacht gibt es auch in der Armee keinen Mangel an Offizieren, niemand muß sie einberufen, niemand zieht Generäle und Admiräle ein. Die Antwort auf diese Fragen ist einfach: Es gibt keinen Mangel an Schreibkräften im Staatsdienst, weil der Staat sie auf dem freien Markt zu Marktlöhnen einstellt, es gibt keinen Mangel an Generalen, weil sie großzügig bezahlt werden, mit Gehalt, Vergünstigungen und Pensionsansprüchen. Es gibt einen Mangel an einfachen Soldaten, weil ihre Bezahlung miserabel und unter dem Marktpreis ist oder bis vor kurzem war. Über Jahre war die Bezahlung eines einfachen Soldaten, selbst wenn man freie Unterkunft und Verpflegung und die anderen Leistungen, die GI’s erhalten, einrechnet, nur ungefähr halb so hoch wie der Lohn, den er im zivilen Leben hätte erhalten können. Ist es da ein Wunder, dass es einen chronischen Mangel an Freiwilligen gab? Seit Jahren ist bekannt, dass das Mittel, um Freiwillige für gefährliche Tätigkeiten zu finden, höhere Bezahlung als Kompensation ist. Aber der Staat zahlte den Männern nur halb so viel, wie sie im privaten Leben hätten verdienen können.“ (Eine neue Freiheit, S.86 ff.)

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