Wie steht es mit der Dienstgerechtigkeit?

Befürworter der Wehrpflicht legen viel wert darauf, die Grundrechte aller potentiellen Opfer gleichmäßig einzuschränken. Deshalb wird die Wehrgerechtigkeit immer wieder betont, auch wenn man behaupten muss, das ein unplausibel großer Teil eines Geburtsjahrgangs schwerbehindert ist, um diese Illusion aufrecht zu erhalten. Viel weniger hört man den Begriff Dienstgerechtigkeit in der politischen Diskussion, und das hat seine Gründe.

Wehrgerechtigkeit ist nach geltenden Normen dann gegeben, wenn (fast) alle tauglichen und nicht von Wehrdienstausnahmen betroffenen Männer eines Geburtsjahrgangs zu einem der vorgesehenen Zwangsdienste einberufen werden. Die Erfüllung der Wehrgerechtigkeit lässt sich also leicht manipulieren wenn man die Tauglichkeitskriterien oder Wehrdienstausnahmen den politischen Bedürfnissen Anpasst.

Anders verhält es sich mit der Dienstgerechtigkeit. Dieser Begriff bezieht sich auf den Anteil der Wehrpflichtigen die tatsächlich zu einem Zwangsdienst herangezogen wurden –und zwar unabhängig von der Anzahl der Ausgemusterten und ausgenommenen. Die Bundeswehr sagte hierzu (im Jahre 2005): „In der Vergangenheit haben rund ein Drittel der erfassten Wehrpflichtigen keinen Grundwehrdienst oder einen hierauf anrechenbaren sonstigen Dienst geleistet, … Hieran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.“ (Quelle)

In der Zukunft hat sich dann doch etwas geändert, denn schließlich entgeht heute fast die Hälfte der potentiellen Opfer der Einberufung zum Zwangsdienst: nach Angaben der DFG-VK wurden im ersten Halbjahr 2007 über 46% der Gemusterten als nicht wehrdienstfähig eingestuft.

Das nächste mal wenn ein Befürworter der Wehrpflicht sich laut über die hohe Wehrgerechtigkeit freut muss man zu keinem wortreichen ‚ja aber…‘ ausholen, sondern kann ihn ganz prägnant fragen, wie er sich die große und wachsende Diskrepanz zwischen Wehrgerechtigkeit und Dienstgerechtigkeit erklärt. Während er darüber ins Stottern kommt, kann man dann zur grundsätzlichen Diskussion seines Gerechtigkeitsverständnisses ausholen.

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