Weizsäcker bekennt sich zur Wehrpflicht

In einem Interview für Cicero äußert sich Richard von Weizsäcker zur Wehrpflicht:
Die Wehrpflicht ist nun schon seit längerem eine Art Wahl-Wehrpflicht. Wir brauchen die Wehrpflicht unter anderem auch zur Auswahl potenzieller Führungskräfte aus dem Kreis der Wehrpflichtigen. Die Vorstellung, dass die Bundeswehr sich auf dem Arbeitsmarkt angemessen in ihrer Struktur und Führung rekrutieren könnte, ist wirklichkeitsfremd. Beispiele anderer Länder, die die Wehrpflicht abgeschafft haben, sind dafür eine Warnung.“ (Quelle)

Ist diese Argumentation wirklich überzeugend? Ist die Behauptung, die Streitkräfte könnten sich zur Personalgewinnung auf den Arbeitsmarkt verlassen wirklichkeitsfremd?


Eine tiefgreifende Umstrukturierung, wie die von der Wehrpflichtigen- zur Freiwilligenarmee, wird natürlich Übergangsprobleme mit sich bringen. Allerdings ist nicht zu sehen, wie diese zur Rechtfertigung der Wehrpflicht dienen können: Einerseits folgt aus begrenzten Personalengpässen keine existentielle Bedrohung der BRD oder des Weltfriedens, andererseits demonstrieren Zahlreiche Bündnispartner, das sie auch ohne privilegierten Arbeitsmarktzugang die Landesverteidigung gewährleisten und sich an internationalen Einsätzen beteiligen können.

Enttäuschend ist hierbei nicht nur, das jemand wie Weizsäcker notwendige Modernisierungsmaßnahmen reflexartig ablehnt, weil sie für die Bundeswehrführung zu unbequemen Begleiterscheinungen führen könnten. Enttäuschend ist auch, das ein dieser Problematik zu Grunde liegendes Problem völlig ignoriert wird: Den Deutschen scheint es fast peinlich zu sein, überhaupt Streitkräfte zu unterhalten, oder diese sogar einzusetzen. Muss man sich wundern, wenn für diese ungeliebte Armee Probleme am freien Arbeitsmarkt erwartet werden?

Wenn es in Westeuropa ein Land gibt, dessen Streitkräfte international ernst genommen werden, dann ist das Großbritannien, das sich über Jahrzehnte hinweg auf eine Freiwilligenarmee gestützt hat. Ein vergleichbar ambivalentes Verhältnis zur eigenen Armee hat es dort bislang auch nicht gegeben.

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