Eine Berufsarmee für die Türkei?

Nach einem Bericht der Welt denkt man in der Türkei über die Einführung einer Berufsarmee nach. Diese Interpretation mag allerdings etwas optimistisch sein. Schließlich geht es nicht in erster Linie um die Abschaffung der Wehrpflicht, sondern um eine größere Anzahl von Berufssoldaten. Bemerkenswert ist, das diese Berufssoldaten offenbar benötigt werden weil die Wehrpflichtigen nicht gut genug sind:
17 Soldaten starben, 18 weitere waren bei verschiedenen Zwischenfällen in den vier Wochen davor gefallen. Fast alle der Opfer sind arme junge Türken aus den Dörfern Anatoliens, sogenannte „Mehmetcis“, die ihren Wehrdienst leisten und schlecht trainiert, schlecht bewaffnet in schlecht befestigte Stellungen an der Front geschickt werden.“ (Quelle)
So viel zur verteidigungspolitischen Notwendigkeit der Wehrpflicht. Auch in anderer Hinsicht ist dieser Artikel interessant, denn die Wehrpflicht wird in der Türkei offenbar auch deshalb geschätzt weil sie sich zur Indoktrination junger Staatsbürger und damit zur militärischen Einflussnahme auf die Gesellschaft eignet: „… das Militär hat den 20 Monate langen Wehrdienst immer gezielt eingesetzt, um aus Rekruten Staatsbürger zu machen, die den republikanischen Idealen der Generäle entsprechen.“ (Quelle)
Ein solcher Nutzen der Wehrpflicht würde dem alt-deutschen Konzept der Schule der Nation entsprechen. Dieser Umstand verdient in so fern Beachtung als gerade in Deutschland immer wieder behauptet wird, die Wehrpflicht diene der demokratischen Beeinflussung der Streitkräfte, nicht umgekehrt.

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1 Kommentar »

  1. Andreas said

    Es ist immerhin der erste Schritt in Richtung einer Berufsarmee, denn anders als die Bundeswehr ist die türkische Armee noch eine richtige Wehrpflichtigenarmee. Es würde mich zumindest nicht wundern, wenn die Türkei noch vor Deutschland die Wehrpflicht überwindet. Das türkische Beispiel zeigt einmal mehr, dass die Wehrpflicht NICHT vor militärischem Abenteurertum schützt und dass das Leben eines Wehrpflichtigen den Regierenden NICHT besonders am Herzen liegt. Die Wehrpflicht bedeutet schon immer billiges Menschenmaterial und entsprechend wurden die jungen Männer schon immer eingesetzt und verheizt. Neu ist nur, dass sich die Bevölkerung dies immer weniger gefallen lässt und nach professionellen Lösungen sucht. Nur in Deutschland hinkt man dieser Erkenntnis mal wieder hinterher.

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