Verhindert die Wehrpflicht Straftaten?

Volkserzieherisch kommen wir nicht um die Notwendigkeit herum, einen halb- oder ganzjährigen Volksdienst verpflichtend zu machen.“ [1]

Taugt der Wehrdienst zur Erziehung junger Erwachsener? Kann er Jugendliche vor einer kriminellen Laufbahn bewahren? Eine soziometrische Studie zum Thema gibt Anlass daran zu zweifeln.

Die Idee junge, erwachsene oder heranwachsende Menschen durch Wehr- oder Arbeitsdienst zu besseren, neuen Menschen zu erziehen hat nicht nur in Deutschland Tradition. Rahm Emmanuel, einer der kommunitaristischen Ideologen im Gefolge Obamas, hat z.B. eine amerikanische Version des Reichsarbeitsdienstes angeregt. Blickt man weiter zurück, finden sich Vermutungen über die charakterbildenden Eigenschaften staatlicher Zwangsdienste so lange es diese Zwangsdienste gibt.

Gelgentlich hört man auch die Auffassung das Jugendliche, die den Wehrdienst durchlaufen hätten, eher nicht kriminell würden, da sie noch Disziplin und Gehorsam gelernt hätten. Was bei diesem Argument übersehen wird ist, daß diese Fähigkeiten in einem bestimmten Zusammenhang vermittelt werden: Disziplin und Gehorsam bei organisierten Gewalttaten lernt man auch bei der Mafia. Zum Leben als guter Staatsbürger trägt das nicht unbedingt bei.

Ein Bericht für den Word Development Report 2007 [2] untersuchte den Zusammenhang zwischen Verbrechen und Wehrdienst an hand Argentinischer Daten. Argentinien betrieb von 1901 bis 1995 ein selektives Wehrpflichtverfahren bei dem Wehrpflichtige nach der Ziffernfolge ihres Personalausweises ausgewählt wurden. Nur ein zufällig gewählter Teil jedes Jahrganges wurde so zum Wehrdienst eingezogen. Da Personalausweisnummern auch in kriminellen Verfahren registriert werden, konnte die Korrellation zwischen Wehrdienst und krimineller Aktivität im Nachhinein beurteilt werden.

Sebastian Galiani und Seine Kollegen konnten zeigen, daß ehemalige Wehrdienstleistende mit größerer Wahrscheinlichkeit straffällig werden. Diese Tendenz zeigt sich verstärkt bei längerer Dienstzeit.

Wenn nach Art der Straftat unterschieden wird, zeigt sich außerdem, daß ehemalige Wehrdienstleistende mit größerer Wahrscheinlichkeit bewaffnete Gewaltverbrechen begehen. Dieses Verhaltensmußter stimmt mit der Hypothese überein, daß der Wehrdienst gegenüber Gewalttaten enthemmend wirkt, und außerdem durch Training an der Waffe eine praktische Vorbereitung leistet.

[1] Hans Heinrich Muchow zitiert nach Peter Wensierski „Schläge im Namen des Herrn“ Spiegel Buchverlag, DVA Deutsche Verlagsanstalt, München, 2006 ISBN 3-421-05892-X

[2] Sebastián Galiani, Martín Rossi und Ernesto Schargrodsky (2006) “Conscription and Crime”

World Bank Policy Research Working Paper 4037 (pdf)

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1 Kommentar »

  1. Andreas said

    Wundert mich überhaupt nicht. Natürlich ist die Bundeswehr nicht mit dem argentinischen Militär zu vergleichen, aber bei jedem Militär kommt es nun einmal darauf an, zivile Hemmungen zu beseitigen oder zu schwächen. Und wenn ein Dienst zudem als sehr ungerecht empfunden wird, fördert dies die Agression gegen die Gesellschaft, die dies zuläßt.

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