Das langsame Sterben der Wehrpflicht – was kommt danach?

Die Aussetzung der Wehrpflicht scheint zunehmend unausweichlich –weniger aus Überzeugung als weil die alteingesessenen Argumente immer weniger tragbar werden. Allerdings wird jetzt auch deutlich wer zwangsdienste nicht aus vermuteter notwendigkeit sondern um ihrer selbst wegen befürwortet.

Jetzt wo die konventionellen Floskeln zur Rechtfertigung der Wehrpflicht immer weniger taugen, wagen sich die Befürworter einer allgemeinen Dienstpflicht auch deutlicher in die Diskussion. Zwar wenden sich Merkel und Schröder vorerst noch gegen eine allgemeine Dienstpflicht, doch zu Guttenberg hat offernbar „große Sympatien“ für diese Idee, auch wenn er sie für nicht durchführbar hält (Reuters). Andere CDU politiker bereiten derweil zahlreiche Alternativforschläge für diverse Zwangsdienste vor.

Allerdings sollte man nun nicht denken, diese verliebtheit in Zwangsdienste sei in Deutschland ein konservatives Privileg. Die Vorgänger Partei der jüngsten SED reinkarnation (Die Linke) hatte bekannterweise keine Probleme mit allgemeinverbindlichen Zwangsdiensten. Auch in Westberlins Alternativer Liste wurde schon in den 1980er Jahren ein allgemeiner „Volksdienst“ diskutiert.

Zu Zwangsdiensten im Allgemeinen ist auf diesem Blog bereits genug gesagt worden. Vom Blog Wirtschaftliche Freiheit, gibt es hier außerdem eine ökonomische Bewertung.

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Aktuelle Positionen in der Wehrpflichtdiskussion

In der Diskussion um die Aussetzung der Wehrpflicht, begründet zu Guttenberg seine Position mit dem anstehenden Modernisierungsbedarf:

Es wäre eine Milchmädchenrechnung zu glauben, dass man durch eine Aussetzung der oder Alternativen zur Wehrpflicht sofort große Summen einsparen könnte, denn Sie müssen dann Geld investieren, um die Bundeswehr attraktiver zu machen. Das müsste man aber ohnehin.“ (Quelle)

Wobei er sich hier wohl auch nur auf die Budgetkosten bezieht und die volkswirtschaftlichen Kosten nicht erwähnt. Westerwelle dagegen betont die fehlende Weiterlesen „Aktuelle Positionen in der Wehrpflichtdiskussion“

Ende der Wehrpflicht vor der nächsten Wahl?

Westerwelle beginnt etwas spät Guttenbergs Vorstoß zu nutzen, um sich allmälich vom faulen kompromiss der Koalition in Sachen Wehrpflicht zu verabschieden. Immerhin regt er jetzt die Aussetzung innerhalb der laufenden Legislaturperiode an. In diesem Artikel (HT: nic) werden einige Hauptargumente gegen diesen überflüssigen Zwangsdienst noch einmal zusammengefasst:

Die Zeiten, da der Soldat sich Mann gegen Mann und mit einem gewöhnlichen Gewehr auf dem Feld bewähren musste, sind doch schon lange Geschichte. Die modernen Waffensysteme verlangen vielmehr gut ausgebildete, hoch motivierte und auch vernünftig bezahlte Militärs.“ (Quelle)

Zu Guttenberg entdeckt die Freiwilligenarmee

Bei der Aussetzung der Wehrpflicht wurde bislang häufig davon ausgegangen, daß es künftig nur noch Berufssoldaten geben könne. Verteidigungsminister zu Guttenberg hat jetzt eine freiwillige Alternative vorgeschlagen: „Viele Wehrdienstleistenden würden unfreiwillig eingezogen. Möglicherweise müssten andere Strukturen geschaffen werden, damit ein junger Mensch freiwillig bis zu einem Jahr seinem Vaterland diene.“ (Quelle)

Damit scheint ihm etwas vorzuschweben was es in den USA und Großbritannien schon seit langem gibt -ohne zeitliche Beschränkung auf ein Jahr.

Verhindert die Wehrpflicht Straftaten?

Volkserzieherisch kommen wir nicht um die Notwendigkeit herum, einen halb- oder ganzjährigen Volksdienst verpflichtend zu machen.“ [1]

Taugt der Wehrdienst zur Erziehung junger Erwachsener? Kann er Jugendliche vor einer kriminellen Laufbahn bewahren? Eine soziometrische Studie zum Thema gibt Anlass daran zu zweifeln.

Die Idee junge, erwachsene oder heranwachsende Menschen durch Wehr- oder Arbeitsdienst zu besseren, neuen Menschen zu erziehen Weiterlesen „Verhindert die Wehrpflicht Straftaten?“